Německo vzpomínalo Karla Marxe

marx200
7.5.2018 09:09
V rámci velkých jubilejních slavností při příležitosti 200. výročí narození Karla Marxe vzpomínalo na jeho dílo řada význačných německých politiků. Předsedkyně Sociálně demokratické strany Německa Andrea Nahlesová zdůraznila, že pro SPD je Marx po celou dobu její existence až po dnešek aktuální. „Marx ovlivňoval sociální demokracii jako žádný jiný“ prohlásila. Též šéf strany Zelených Robert Habeck prohlásil, že jednotlivé Marxovy téze jsou podivuhodně časové. V Marxově rodném městě Trieru bylo k jeho jubileu otevřeno nové muzeum nazvané Karl-Marx-Haus. V den jeho narození, které připadá na 5.květen 1818 byla v Trieru odhalena pětimetrová socha jubilanta, věnována Čínskou lidovou republikou jako znamení přátelství vůči Německu.

V předvečer 200.výročí narození Karla Marxe pronesl spolkový prezident Frank-Walter Steinmeier ve svém berlínském sídle projev před dvěma sty hostů na jeho památku. Charakterizoval jej jako filosofa a ekonoma, který je velkým německým myslitelem. Jeho dílo je přitom protknuto vášnivým humanismem s cílem masovou nouzi překonat. Protože nelze jeho působení oddělit od marxismu Němci jej nemají ani vylučovat z dějin, protože se nemusí ho ani bát, ani mu stavět zlaté pomníky.

Na slavnostním zasedání k 200.výročí narození v Marxově rodném městě vystoupil před tisíci hosty v Konstantinově bazilice předseda komise Evropské unie Jean-Claude Juncker. V německy předneseném projevu varoval Karla Marxe činit za odpovědného pro zločiny komunismu. Musí se mu rozumět v poznáních jeho doby. Rovněž ministerský předseda Porýní-Falcka Malu Dreyer zdůraznil, že za zločiny 20.století ve jménu Marxe nemůže být odpovědný.

Vedoucí politik postkomunistické strany Levice Gregor Gysi prohlásil, že filozof Karel Marx se často představuje ve falešném světle. Státní socialismus zneužíval selektivně teorii autora „Kapitálu“. Předseda evropské levice prohlásil, že si nikdy nepřál pronásledovat jinak smýšlející. Existovali tři pokusy o demokratický socialismus jak si ho asi představoval Marx: pařížská komuna, chilský v sedmdesátých letech minulého století a Pražské jaro 1968 všechny však byly vojensky potlačeny. Demokratickému socialismu nebyla nikdy dána šance a státní jí prohrál vlastní vinou.

Ostrá kritika oslavných ód na Marxe zaznívá především z řad pravicových politiku. V twitteru spolkový ministr hospodářství Peter Altmeier poznamenává, že jeho myšlenky i když jsou brilantní, při svém prosazování lidi připravili o životní štěstí. Prudký odpor k jeho myšlenkám přichází od Alternativy pro Německo, podle kterého komunismu způsobil mnoha národům utrpení. Generální tajemnice křesťanských demokratů Annegret Kramp-Karrenbauerová konstatovala, že když se podíváme jaký měl Marx vliv na dějiny lidstva, není příčina k jeho oslavám.

Paradoxní však je, že především střední a malí podnikatelé podporují svými výrobky výročí Marxova narození. Německo, zejména pak rodný Trier, je zaplavováno stovkami upomínkových předmětů někdy až bizarních tvarů a rozměrů. Největší odbyt mají různé typy vín s etiketou Marxova portrétů až po koupelnové kachničky s jeho podobou. Ta je též na vydaném bankovce s nulovou hodnotou, kterou je možno zakoupit za tři Eura. Kapitalistům jak je vidět nevadí vydělávat na osobnosti jejich největšho historického kritika.

 

 

 

Doslovný text spolkového prezidenta Franka-Waltera Steinmeiera k 200.výročí narození Karla Marxe v originále:

"Was würde Marx wohl dazu sagen?"

Man kann nur spekulieren, wie oft diese Frage in unserem Land gestellt worden ist. Ob in den Klassenzimmern der DDR, wo sie buchstäblich jedes Fach durchtränkt hat, wie Ingo Schulze beschrieben hat. Ob, lieber Jürgen Neffe, in den Lesezirkeln westdeutscher Universitäten, oder – so habe ich es selbst erlebt – als Eignungstest vor dem Eintritt in eine Studenten-WG der 1970er Jahre.

Und heute? "Was würde Marx wohl dazu sagen", wenn er in diesen Saal schauen würde? Ein Gespräch zu seinem Gedenken, ausgerechnet im Schloss Bellevue – schwere Teppiche, goldene Lüster und Porträts preußischer Könige.

Ehrlich gesagt: Führe ich mir das äußerst spitze Ende seiner Feder vor Augen, das wir aus seinen Briefen und Polemiken kennen, bin ich eigentlich ganz froh, dass wir die Antwort nie erfahren werden.

Eine Annäherung höchstens bietet uns sein Berlin-Besuch 1861: Wenige hundert Meter von hier entfernt logiert Marx mondän bei seinem vermeintlichen Verbündeten und tatsächlichen Intimfeind Ferdinand Lassalle. Keine zehn Pferde würden ihn dazu bewegen, so schreibt er von hier seiner Cousine nach Holland, "nach Deutschland zu gehen und noch weniger nach Preußen und am allerwenigsten nach diesem [abscheulichen] Berlin mit seinem ‚Sand‘ und seiner ‚Bildung‘ und ‚seinen überwitzigen Leuten‘."

Den darauffolgenden Satz hätte man fast auf unsere Einladungskarte drucken können: "In Berlin ist natürlich jeder, der etwas Geist zu verspritzen hat, außerordentlich begierig nach Leidensgefährten." In diesem Sinne: Herzlich Willkommen im Schloss Bellevue Ihnen allen!

"Was würde Marx dazu sagen?" ist heute glücklicherweise nicht unsere Fragestellung, sondern die umgekehrte: "Was haben wir hier und heute über ihn zu sagen?"

Ich freue mich auf die Ansichten eines facettenreichen Podiums – mit dem kritischen Blick einer liberalen Ökonomin, Karen Horn, mit der Lebenserfahrung und dem Gedankenreichtum des Dresdner Schriftstellers Ingo Schulze, und, lieber Ranga Yogeshwar, mit der Zukunftsperspektive Ihres neuen Buches, das in Digitalisierung und Robotisierung Umbrüche von – darf ich das sagen? – geradezu Marxschem Ausmaß erkennt. Die umfassende Vorstellung dieses Podiums will ich dem wunderbaren Moderator dieses Vormittages überlassen – dem Marx-Biographen, Journalisten und Autor Jürgen Neffe. Sie alle, unsere vier Panellisten, möchte ich ganz besonders herzlich begrüßen, und ich glaube, ich kann für den ganzen Saal sagen: Wir sind gespannt auf Ihr Gespräch – herzlichen Dank fürs Kommen!

Was also haben wir über ihn zu sagen? Wenn ich selbst den Ball unserer Diskussion ins Rollen bringen soll, dann will ich mit der Feststellung beginnen: Karl Marx war, in all seiner Widersprüchlichkeit, ein großer deutscher Denker.

Denker war er vor und über all den anderen Aspekten seines vielgestaltigen Lebens: Ökonom, Historiker, Soziologe und Philosoph; Journalist und Chefredakteur; Politiker, Arbeiterführer und Pädagoge; Flüchtling und politisch Verfolgter; Kommentator und Briefeschreiber, heute würde man wohl sagen "Netzwerker"; Teil eines einzigartigen Kreativ-Duos mit Freund Engels; und natürlich Familienvater und Jenny Marxens Ehemann. Sein Denken aber überragt dieses Leben – seine politischen Versuche hingegen ließen ihn zumeist enttäuscht, frustriert, gekränkt zurück. Mehr folgenreich als erfolgreich, so könnte man das nennen.

Gewaltig ist das Werk, das er hinterlassen hat. Gewaltig in seiner Schaffenskraft, opfer- und entbehrungsreich der Entstehungsprozess, gezeichnet von bitterer Armut, familiären Schicksalsschlägen und schwerer Krankheit. Gewaltig ist es auch in seiner sprachlichen Kraft, seiner literarischen Spannbreite. Gewaltig bis teils unverständlich in seiner Komplexität – so dass die Zaristische Zensur die erste russische Ausgabe des Kapitals mit der Begründung passieren lässt: "Nur wenige werden es lesen, noch weniger werden es verstehen." Welch folgenreicher Behördenirrtum!

Gewaltig will ich auch seinen Geltungsanspruch nennen, seinen Ehrgeiz, die Absolutheitsambition seiner Gedankenwelt. Marx war ein kategorischer Denker, und seine Kategorien waren starr. Marx war vernichtend in seiner Kritik an Ideen und noch vielmehr an Personen. Immer wieder blitzen Momente radikalen Eiferns auf, schwarz und weiß in einer Weise, die heutige Leser befremdet zurücklässt – die aber jahrzehntelang, wie etwa die dröhnende Fanfare von der "revolutionären Diktatur des Proletariats", im Osten unseres Landes in Dauerschleife zu hören waren.

Und doch, das spürt man in den weit verzweigten Texten, hat alles Eifern, alle Rastlosigkeit und Heftigkeit dieses Autors einen Kern, eine innere Triebkraft, und die liegt in den Verhältnissen seiner Zeit: Es geht ihm um die Überwindung des massenhaften Elends, um die Befreiung aus Armut und Bevormundung, aus der eisernen Hand des Obrigkeitsstaats.

Sein Werk ist durchzogen von einem leidenschaftlichen Humanismus: Da gibt es Appelle für die Pressefreiheit, für humane Arbeitsbedingungen und den Acht-Stunden-Tag, für die Bildung der arbeitenden Schichten, für die Wertschätzung von Frauen im Freiheitskampf bis hin zum Plädoyer für Umweltschutz – dass wir nämlich nicht "Eigentümer der Erde" seien, sondern lediglich ihre "Nutznießer […] [und sie] verbessert den nachfolgenden Generationen zu hinterlassen" haben. Es finden sich Freiheitselogen, die bis heute nicht sprachmächtiger und bewegender beschreiben könnten, was unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung ausmacht und was es – für uns heute – zu verteidigen gilt. All das brachte Willy Brandt 1977 zu seinem Urteil: "Was immer man aus Marx gemacht hat: Das Streben nach Freiheit, nach Befreiung der Menschen aus Knechtschaft und unwürdiger Abhängigkeit war Motiv seines Handelns."

Allein: "Was immer man aus Marx gemacht hat" – das ist kein ganz unbedeutender Nebensatz. Gewaltig ist nicht nur sein Werk, sondern gewaltig sind seine Folgen. Auch wenn wir sein Diktum "Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin" noch im Kopf haben mögen, so ist es für uns, die wir zurückblicken, mit einer schnell dahingesagten Trennung von Marx und Marxismus, dem Denker und seiner Wirkung, nicht getan. Ein Wort zumindest drängt sich mir auf, und das ist Verantwortung. In der "Verantwortung" steckt ja das "Wort" – und mit dem Wort wollte er und hat er seine Nachwelt geprägt.

Und auch das: gewaltig. Um nur ein Beispiel zu nennen: In einem Briefentwurf von 1881 an die Russin Vera Sassulitsch heißt es: "Also ist etwas Neues notwendig: das Gemeineigentum abschaffen, […] und die große Mehrheit der Bauern in gewöhnliche Proletarier umwandeln." Gerade mal zwei Zeilen Marx, von ihm selbst verworfen und nie ins Kuvert gesteckt, die aber posthum in den Händen leninistisch-stalinistischer Revolutionäre herhielten für Enteignung, Umsiedelung, Zwangsnivellierung von Abermillionen russischer Bauern.

Bleibt die Frage: Wie weit ist er, der Weg von der Wortgewalt zur tätlichen Gewalt, vom glühenden Gedanken zum fanatischen Handeln? Die Arbeit an dieser Frage – wie an der gesamten Marxschen Wirkungsgeschichte – bleibt notwendig. Je mehr wir über ihn in Erfahrung bringen, je mehr wir ihn und seine Zeit verstehen, desto eher gelingt es, der Legendenbildung etwas entgegenzusetzen. Das tut die neue Landesausstellung in Trier, deren Schirmherrschaft ich gern übernommen habe. Denn ich glaube: Wir wären schlecht beraten, denen das Feld der Deutung zu überlassen, die ihn ideologisch vereinnahmen oder absichtsvoll missverstehen. Das ist in der Geschichte schon zu oft mit Marx passiert. Wenn wir dem entgegenwirken, dann muss die notwendige Aufarbeitung des Marxismus unserer Offenheit für Marx nicht entgegenstehen.

Und diese Offenheit wünsche ich uns. Ich jedenfalls finde: Der 200-Jährige hat uns verblüffend viel zu sagen über unsere Zeit. Über diesen, den aktuellen Marx werden wir, so hoffe ich, einiges von unserem Podium erfahren:

Über Marx, den Analysten der ökonomischen Konjunktur, von Krisen und insbesondere Finanzkrisen, wie sie die Weltwirtschaft vor zehn Jahren an den Abgrund getrieben haben.

Über den Anatomen des Kapitals, der galoppierenden Ungleichheit, wie sie Thomas Piketty und andere heute untersuchen, der Ausbreitung der Marktlogik in alle Lebensbereiche, wie wir sie bis in unsere Alltagssprache hinein beobachten, von der "Selbstoptimierung" bis zu den "Bildungsinvestitionen" – die "Vergötzung des Marktes", wie Papst Franziskus sie in durchaus Marxscher Sprachfärbung benannt hat.

Und nicht zuletzt den bestechenden Prognostiker der Globalisierung. Nur eine Kostprobe: "In wenig Jahren werden wir eine Dampfpaketlinie haben von England nach Chagres, von Chagres und San Franzisco nach Sydney, Kanton und Singapore. […] Dann wird der [Pazifische] Ozean dieselbe Rolle spielen wie jetzt der Atlantische […], und der Atlantische Ozean wird herabsinken zur Rolle eines Binnensees, wie sie jetzt das Mittelmeer spielt." Nein, nicht aus einem aktuellen amerikanischen Thinktank-Papier über den "Pivot to Asia", sondern Karl Marx 1850. Heute allerdings würde ich die "Dampfpaketlinie" durch "Tiefseedatenkabel" ersetzen.

Für mich ist vielleicht der spannendste dieser, wenn Sie so wollen, "Teil-Marxe" der Vordenker der technologischen Entwicklung. Gewiss ist: Karl Marx hat die Grundbegriffe des Industriezeitalters geprägt. Die Frage ist: Kann er uns auch noch die Stichworte für die nächste Epoche liefern?

Natürlich waren "Big Data", "Artifical Intelligence" oder "Social Media" für ihn keine Kategorien. Aber Marxsche Zukunftsfragen stellen sich heute drängender denn je: Entfremdung oder Befreiung? Mehr Überwachung und Kontrolle durch Big Data? Mehr Markt- und Machtkonzentration durch die Big Five der Datenökonomie – oder mehr Chancengleichheit dank digitaler, frei zugänglicher Ideen rund um die Welt? Mehr Fremdbestimmung, wenn der Algorithmus meine Interessen und Vorlieben besser kennt als ich selbst? Oder mehr Selbstbestimmung, wenn Roboter uns von körperlicher Arbeit befreien?

Lesen wir einen Marx-Satz wie diesen: "Da der Arbeiter zur Maschine herabgesunken ist, kann ihm die Maschine als Konkurrent gegenübertreten", dann könnten wir heute nahtlos ergänzen: Wenn die Maschine zum Arbeiter aufsteigt, kann sie das erst recht. Sind wir also zurück beim Historischen Materialismus, beim Zauberlehrling Mensch, dem seine Erfindung entglitten ist?

Jürgen Neffe hat letzte Woche in der ZEIT einen neuen "Marxschen Moment" beschrieben. Gewiss, immer schnellere Wellen technologischer Disruption stehen uns bevor – und Marx mag uns helfen, rechtzeitig die richtigen Fragen zu stellen, die wir heute noch zu selten stellen. Aber: Ich halte nichts von deterministischen Zukunftsentwürfen. Dieser Moment muss nicht in neue Abhängigkeit führen, sondern es öffnen sich ebenso Wege zu mehr Selbstbestimmung und weniger Entfremdung, zu mehr Teilhabe und weniger Ungleichheit. Auf diese offene Frage gibt es keine letzten Antworten, auch nicht von Marx. Sondern ob das gelingt, dafür ist etwas anderes entscheidend, eine Größe, der Marx stets zu wenig zugetraut hat: die Demokratie nämlich – und das Selbstbewusstsein, mit dem wir uns als Demokraten in einer Sozialen Marktwirtschaft die Gestaltung unserer Zukunft zutrauen!

Marx sagt: "Die Ausgeburten ihres Kopfes sind ihnen über den Kopf gewachsen. Vor ihren Geschöpfen haben sie, die Schöpfer, sich gebeugt". Ich finde: Das Zeitalter von Robotern und Künstlichen Intelligenzen ist ein guter Moment, um Marx das Gegenteil zu beweisen.

Erlauben Sie mir, dass ich am Ende auf das dritte der eingangs genannten Attribute eingehe, eines, das mir als Bundespräsident besonders wichtig erscheint: Ja, er war ein deutscher Denker. Karl Marx ist ohne deutsche Geschichte nicht denkbar – und deutsche Geschichte wohl nicht ohne ihn.

Karl Marx ist nicht denkbar ohne den Preußischen Obrigkeitsstaat und Bismarcks eiserne Hand, ohne die Freiheitsluft des Vormärz, ohne das Hambacher Fest und die zertretenen Hoffnungen der Revolution.

Er ist nicht denkbar ohne das menschliche Elend der frühen Industrialisierung und ohne die Armut auf dem Land, wie er sie als junger Mann schon leidenschaftlich anklagt, am Beispiel der "Raffholzsammler", denen die Privatisierung des Waldeigentums ihre dürre Lebensgrundlage raubte.

Er ist auch nicht denkbar ohne die wechselvolle Geschichte des deutschen Judentums, ohne seine Absage an die eigene Herkunft, ohne sein Hadern und Eifern gegen das Judentum – in dessen schärfsten Ausfällen die späteren deutschen Dämonen schauerlich vorausklingen.

Marx ist nicht denkbar ohne seinen Internationalismus, seinen weltgewandten Blick, in Abgrenzung zum verachteten Preußen.

Er ist nicht denkbar ohne Flucht und Vertreibung aus Deutschland, den Verlust der Staatsangehörigkeit, ohne – in Engels‘ Worten – die "schlaflose Nacht des Exils".

Kurzum: Marx ist nicht denkbar ohne sein Leiden an Deutschland.

Gerade deshalb, gerade in dieser Widersprüchlichkeit, sollten wir ihn annehmen als großen deutschen Denker. Und das können wir, denn wir sind ein Land, für das es geradezu identitätsstiftend ist, die Widersprüche unserer Geschichte anzunehmen, die Abgründe neben den geistigen Höhen.

Diese Ambiguität gibt es im Falle Marx vielleicht in besonderer Weise im Osten unseres Landes. Ich habe Ostdeutsche getroffen, die beides sind: froh, ihn los zu sein – den Marx, mit dem die ganze Unfreiheit des SED-Regimes verbrämt wurde. Und zugleich hoffend, dass ein anderer Marx noch viel zu sagen hat: über die Gefahren eines ungezügelten Kapitalismus und über die Möglichkeit einer gerechteren und humaneren Wirtschaftsordnung.

Ich glaube: Wir Deutschen, 2018, sollten Karl Marx weder überhöhen noch aus unserer Geschichte verbannen. Wir müssen uns vor Marx nicht fürchten – noch müssen wir ihm goldene Statuen bauen. Kurzum: Marx soll streitbar bleiben.

 

 

 

Heftige Kritik hatte es im Vorfeld von der AfD gegeben: "Dem Kommunismus, der so viel Leid über viele Völker gebracht hat, sollte kein Denkmal gesetzt werden", hieß es vom Bundesvorsitzenden Alexander Gauland. Er bezog sich damit auf das neue Marx-Denkmal in Trier.

Auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte sich dazu kritisch geäußert. "Wenn man sich die Gesamtwirkung von Marx auf die Geschichte der Menschheit anschaut, besteht zum fröhlichen Feiern kein Anlass", schrieb sie in einem Gastbeitrag für die "Rheinische Post". Seine Ideologie und die Wirkung seines Denkens würden aus ihrer Sicht "jetzt wieder zu stark verklärt".

Der Philosoph habe großen Wert darauf gelegt, kein Marxist zu sein, und die Verfolgung Andersdenkender nie gewollt. "Er war ein Freiheitsideologe", sagte Gysi. Zudem habe es in der Geschichte nur drei Versuche eines demokratischen Sozialismus gegeben, wie ihn sich vielleicht auch Marx vorgestellt habe. Alle drei seien militärisch kaputtgemacht worden, so der Linken-Politiker. "Der demokratische Sozialismus hatte noch nie eine Chance. Der Staatssozialismus hatte seine Chance und hat sie verspielt."

Gysi kritisierte zudem Grundüberzeugungen der heutigen Linken: "Sie haben ein Idealbild des Menschen und glauben, das könne man den Menschen beibringen. Das ist Quatsch." Es gehe nicht um kaum existente Idealtypen, sondern darum, den Menschen mit seinen Schwächen ernstzunehmen, so wie er sei. "Wenn du auf einen Idealtypen eine Theorie aufbaust, kann sie niemals funktionieren", betonte Gysi.

Diese Nachricht wurde am 04.05.2018 EU-Kommissionspräsident Juncker hat davor gewarnt, Karl Marx für die Verbrechen des Kommunismus verantwortlich zu machen.

Man müsse Marx aus seiner Zeit heraus verstehen, sagte Juncker in seiner Rede anlässlich des 200. Geburtstages des Philosophen und Ökonomen in Trier. Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer betonte, die Verbrechen, die im 20. Jahrhundert im Namen von Marx begangen worden seien, könnten ihm nicht angelastet werden. Ab morgen sind mehrere Jubiläumsausstellungen in Marx' Geburtsstadt für Besucher geöffnet.

Geplant ist außerdem die Enthüllung einer Statue, die China der Stadt zum Jubiläum geschenkt hat. Dies wird vom PEN-Zentrum Deutschland mit Blick auf die unter Hausarrest stehende chinesische Dichterin Liu Xia kritisiert.In einer Diskussion zum bevorstehenden 200. Geburtstag von Marx erklärte Steinmeier, das Werk des Philosophen sei durchzogen von einem leidenschaftlichen Humanismus. Es sei ihm darum gegangen, das massenhafte Elend seiner Zeit zu überwinden. Allerdings könne man Marx nicht von seiner Wirkung und damit vom Marxismus trennen, betonte der Bundespräsident. Die Deutschen sollten ihn weder überhöhen noch ihn aus ihrer Geschichte verbannen. Man müsse sich vor ihm nicht fürchten, aber ihm auch keine goldenen Statuen bauen. Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren.

Schloss Bellevue, 3. Mai 2018Änderungen vorbehalten. Es gilt das gesprochene Wort. Im Rahmen der großen Jubiläumsfeierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Karl Marx haben zahlreiche Politiker an den Philosophen erinnert. SPD-Parteichefin Nahles sagte, für ihre Partei sei Marx nach wie vor aktuell: "Marx hat die Sozialdemokratie geprägt wie kein anderer." Auch Grünen-Chef Habeck sagte, einzelne Thesen von Marx seien "erstaunlich zeitgemäß". In Marx' Geburtsstadt Trier eröffnet zum Jubiläum ein neues Museum, das "Karl-Marx-Haus". Zudem wurde eine von China gespendete Statue aufgestellt.

seeman-richard
Narodil se v roce 1933. Je absolventem dnešní Fakulty sociálních věd Univerzity Karlovy, kde získal titul PhDr. Pracoval v Československém rozhlase, zahraničním vysílání. Po propuštění v roce 1970 byl zaměstnán jako topič a v železářství. V roce 1990 se vrátil do služeb Československého rozhlasu, kde zastával různé funkce, mimo jiné ústředního ředitele. Od roku 1993 je v důchodu a nadále spolupracuje s Českým rozhlasem. Od roku 1997 až 2008 byl členem Rady Českého rozhlasu, kde zastával po pět let funkci předsedy. Je autorem řady komentářů, článků a knih

Komentáře

Pro možnost psaní komentářů se přihlašte nebo zaregistrujte.